Teilprojekt 7

 

Prospektiver Diskurs über Ambient Assisted Living

 

Kooperation: HFU, KHF

Projektleitung: Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff (KHF)

 

Das Institut für Angewandte Forschung, Entwicklung und Weiterbildung (IAF) der Katholischen Hochschule Freiburg übernimmt zusammen mit der Fakultät "Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft" der Hochschule Furtwangen das Teilprojekt 7.

 

Als Querschnittsprojekt oder Meta-Projekt, über alle anderen Teilprojekte und Partner hinweg, verfolgt das Teilprojekt 7 einen diskursiven und interdisziplinären Ansatz. Es geht dabei um zentrale Aspekte zur Akzeptanz von AAL und damit verbundene ethische Fragestellungen, um den partizipativen, gesellschaftlichen Diskurs mit der Schnittstelle zur Zivilgesellschaft, um sozialrechtliche und politische Aspekte sowie um die externe Dissemination.

Die Umsetzung und der Prozess des interdisziplinären Arbeitens ist die Hauptaufgabe des Projektes. Interdisziplinarität als zentraler Aspekt für den gesamten Projektverbund wird somit durch ein eigens hierfür angelegtes Metaprojekt gewährleistet, das sich als Schnittstelle der Teilprojekte etabliert hat. 

 

Das Vorhaben der „Entwicklung von innovativen Systemen und Technologien zur Unterstützung eines selbständigen Lebens bis ins hohe Alter, sowie zur Sicherungen Sozialer Teilhabe für Menschen mit Hilfebedarf“ generiert sich zunächst aus zwei wesentlichen Voraussetzungen: Da ist zum einen der Demographische Wandel mit seinen gesellschaftlichen Folgen und zum anderen der (verständliche) Wunsch des Einzelnen, möglichst lange und autark im gewohnten Umfeld zu leben. Von diesem Blickwinkel aus wird bereits deutlich, dass die Beantwortung der sich stellenden Fragen nicht alleine von einer Wissenschaftsrichtungen (Sozial-, Ingenieurswissenschaften etc.) geleistet werden kann. Um verantwortbare innovative Systeme und Technologien zur Unterstützung des selbstständigen Lebens bis ins hohe Alter entwickeln zu können, braucht es neben der technischen Realisierbarkeit zentrale sozialwissenschaftliche aber auch ethische und alternsphilosophische Gesichtspunkte, aus denen die hier relevanten Fragen nach dem Alter(n) überhaupt und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit bearbeitet werden.

 

Ein gemeinsames Fundament und eine gemeinsame Sicht der wesentlichen Eckpunkte kann dabei aber nicht per se vorausgesetzt werden. Weiterhin wird in diesem Zusammenhang deutlich, dass der Diskurs immer auf zwei Ebenen geführt werden muss: Auf der einen Seite besitzt das gestellte Thema eine gesellschaftliche Relevanz, in der der einzelne Wissenschaftler mit seinen Ansichten und seiner Herangehensweise den Wandlungsprozess bereits prägt (und von ihm geprägt ist) – auch in Bezug auf das Gesellschafts-, Menschen- und Alternsbild (Gesellschaftsebene). Auf der anderen Seite gilt es innerhalb der einzelnen Fachgebiete, sich auf gemeinsame Ziele und Werte zu verständigen (Ebene des Projektverbundes). Dies ist bei den unterschiedlichen Logiken der einzelnen Disziplinen oft nicht leicht möglich und der gegenseitige Zugang muss erarbeitet werden. Darum spiegeln sich im Vorgehen dieses Teilprojektes zum einen die beiden genannten Ebenen wider. Zum anderen wird aber auch deutlich, dass sich ein interdisziplinäre Diskurs und das effektive interdisziplinäre Arbeiten in einem Verbund auch entwickeln müssen - es kann also nur im Prozess geschehen. Deshalb ist das Vorgehen, neben fest angelegten Strukturen, auch stark prozessgeleitet.

 

Dieser Prozess wird auf drei Wegen bearbeitet: zentral und von Beginn an festgelegt, ist dabei eine Workshop-Reihe (1), die unterschiedliche Perspektiven aus relevanten Disziplinen (Sozialpolitik, Soziologie, Ethik, etc.) einspeist und die Möglichkeit einer kontroversen Diskussion bietet;  Parallel laufen „Bilaterale“ Gespräche (2), bei denen es zunächst um ein Kennenlernen der Projektvorhaben und der individuellen Vorgehensweise (Logiken) geht. Sie sollen aber auch dem Transfer der unterschiedlich bearbeiteten Fragen- und Themenstellungen auf die einzelnen konkreten Entwicklungen dienen; und eine Interviewreihe (3), die sich hauptsächlich der Analyse des interdisziplinären Arbeitens widmet und als eine Vorstudie für eine vertiefende Beschäftigung dient. Die daraus hervorgehenden Themen, Fragestellungen, und ggf. Konflikte werden in den Gesamtprozess rückgebunden und setzen weitere operative Schritte fest. Ferner werden aus den gemeinsamen Bearbeitungen Ergebnisse festgehalten.

 

Als erstes Ergebnis rückt die gemeinsame Profilbildung ins Zentrum. Die Entwicklung von Technik zur Unterstützung von selbstständigen Leben steht besonders im Spannungsfeld von Sozialer Gerontologie/Inklusion, Ethik und Alternsphilosophie. Darum gilt diese Trias als Profilschärfung in der Bearbeitung interdisziplinärer Fragestellungen und spiegelt sich somit auch in den weiteren Ergebnissen wider. Die Soziale Gerontologie hat sich im Laufe des Prozesses als zentrale und notwendige Bezugswissenschaft herauskristallisiert. Sie schließt als interdisziplinär angelegte Wissenschaft die Human, Natur und Sozialwissenschaften mit ein und durch sie können kontextbezogen und themenzentriert die unterschiedlichen Perspektiven zielgerichtet bearbeitet werden. Sie hat sowohl einen unabdingbaren Bezug zur Praxis als auch den potentiellen Nutzer im Blick.

Als darauf aufbauendes Ergebnis ist das gemeinsam erarbeitete Fundament als Positionierung zu nennen. Auf der Basis der herausgearbeiteten Kernthemen wurde folgende Grafik erstellt, mit der die (Werte-) Stellungnahme des ZAFH-AAL zur Rahmung, Ausrichtung und Einordnung dargestellt werden kann. Dabei wird bspw. deutlich, dass sich der Verbund von einem Menschenbild distanziert, das sich auf absolute Selbstständigkeit beruft und demzufolge auch die Hilfeannahme von anderen Personen als Schwäche markiert. Die zu entwickelnden Systeme sollen keine zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen, sondern eben diese in Bezug auf die Hilfe- und Sorgebeziehung unterstützen.

 

Daraus ableitend konnte ein gemeinsam erarbeitetes und somit verbindliches Statement zur Sozialen Teilhabe für das ZAFH-AAL festgehalten werden:            

„Soziale Teilhabe bezeichnet vorerst einen Grundanspruch, der sich aus der Verfasstheit des Menschen ableitet und somit wesentlich die individuelle Lebensqualität mitbezeichnet. Es handelt sich folglich um einen vielschichtigen, dynamischen, komplexen und sehr individuellen Prozess von Beteiligung, Mit-bestimmung, Mit-gestaltung sowie Mit-wirkung. In Anlehnung dessen, steht für das ZAFH-AAL die Soziale Teilhabe durch Kompensation im Vordergrund der Entwicklungen, wobei der sozialen Isolation, aufgrund von Rückzugstendenzen sowie aufgrund von Ausgrenzung entgegengewirkt werden soll. Infolgedessen wird nicht bloß die Ermöglichung sozialer Teilhabe, sondern auch deren Förderung, sowohl auf individueller Ebene als auch in Bezug auf die Umwelt miteinbezogen.“

 

Damit die Verbindung zwischen Theorie und Praxis hergestellt werden kann, müssen alle Teilergebnisse und alle (Werte-)Positionierung in die konkrete technische Forschungs- und Entwicklungsarbeit transferiert werden. Ein eigens dafür entwickeltes Dialoginstrument, das aus der Trias von Sozialer Gerontologie, Ethik und Alter(n)sphilosophie gespeist wird, ermöglicht (zirkulär) die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den einzelnen technischen Systemen. So wird jederzeit im Prozess die Rückbindung an die gemeinsamen Ziele und Fundamente gewährleistet, um so ein verantwortbares innovatives System zur Unterstützung eines selbstständigen Lebens bis ins hohe Alter zu entwickeln.