Teilprojekt 1

 

Kontextabhängige Erweiterung der Raumwahrnehmung für Blinde und Sehbehinderte

 

Kooperation: HFU, HRW, KHF, ALUF

Projektleitung: Prof. Dr. K. Möller (HFU)

 

Ziel: Entwicklung und Optimierung einer zusätzlichen haptischen Sensorik für ältere bzw. sensorisch behinderte Mitmenschen

 

Mit fortschreitendem Alter lassen die verschiedenen sensorischen Fähigkeiten des Menschen, wie Sehen, Riechen und Hören nach, was zu Unsicherheiten bei der Gestaltung und Bewältigung des Alltags führen kann. Diese altersbedingten, körperlichen Veränderungen lassen sich nur in sehr speziellen Fällen und nur partiell durch technische Entwicklungen (z.B. Retina-Implantat, Cochlea-Implantat) mit aufwändigen chirurgischen Verfahren direkt überbrücken. Alternativ hierzu wird in diesem Forschungsprojekt ein einfaches portables System weiterentwickelt und im Feld getestet. Wir entwickeln ein technisches System, welches in der Lage ist, mit Sensoren seine Umgebung wahrzunehmen. Die defizitäre Sinnesleistung des Benutzers kann durch Vibrationssignale teilweise ausgeglichen werden und versetzt Betroffene in die Lage, mit dieser Ergänzung des Sehsinns sicher und selbstbewusst in der Umgebung agieren zu können.

 

Das Institut für Technische Medizin der Hochschule Furtwangen entwickelt gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Autonome Intelligente Systeme“ der Universität Freiburg einen portablen 3D-Umgebungsscanner, der durch kontextabhängige Datenreduktion eine Umgebungsrepräsentation in haptischer Form ermöglicht. Ausgangspunkt ist der bestehende Prototyp eines „intelligenten Rollators“, der eingesetzt werden kann, um blinde Menschen durch Vibrationssignale über Hindernisse in ihrer Umgebung zu informieren. Dieses System wird im Rahmen von ZAFH-AAL weiterentwickelt, sodass es in der Lage ist, seine Benutzer durch Vibrationssignale sicher zu gewünschten Zielpositionen zu führen. Darüber hinaus wird der intelligente Rollator in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Sozial- und Gesundheitsforschung der Hochschule Ravensburg-Weingarten evaluiert, um Chancen und Risiken eines Einsatzes des Systems für sehbehinderte, ältere Menschen beurteilen zu können.

Die Entwicklung des Rollators ist weitgehend abgeschlossen und eine erste Evaluierung mit Probanden im Alter der Zielgruppe wurde bereits durchgeführt. Ziel der Evaluierung war sowohl der Nachweis der technischen Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems als auch der Vergleich von zwei verschiedenen Methoden zur taktilen Informationsübermittlung und die Bewertung des intelligenten Rollators aus sozialwissenschaftlicher Perspektive. Die Ergebnisse dieser Testreihe zeigen, dass das Funktionsprinzip des Rollators, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, von allen Probanden ohne größere Probleme aufgefasst werden konnte. Die Benutzer waren in der Lage, mit verbundenen Augen und mit Hilfe des Rollators verschiedenen Hindernissen auszuweichen. Sie glauben, dass der intelligente Rollator im Bedarfsfall einen wichtigen Beitrag zum Aufrechterhalten sozialer Kontakte leisten kann.